Top-Themen des JÄC – Teil 1: Fadenlifting

In ihrem sehr aufschlussreichen Grundsatzartikel „Fadenlifting – Grenzen und Möglichkeiten“ beschreibt die Dermatologin Dr. Daniela Greiner aus Oberursel sehr anschaulich die Entwicklung der sogenannten Fadenliftings, die unterschiedlichen Techniken und Materialien, mögliche Indikationen aber auch Risiken und Grenzen. Die von Dr. Greiner gründlich recherchierten und mit zahlreichen Quellen belegten Ausführungen möchte ich hier für Interessierte zusammenfassen.

Vor etwa 20 Jahren wurden erstmals nicht resorbierbare Nylon-Fäden zum Anheben der Wangen eingesetzt und damit ein gewisser Lifting-Effekt erzielt. Die Fäden wurden dabei von den Schläfen aus in einer grossen Schlinge mit langen Nadeln zur Wange und wieder zurück geführt und geknotet. Diese Technik mutet sehr einfach und direkt an, stieß aber schon sehr schnell an ihre Grenzen, da sie sich durch störende strangförmige Erhebungen und einen nur kurz anhaltenden Lifting-Effekt auszeichnete. In der Folgezeit wurde versucht, die genannten Probleme vor allem auf zwei Wegen in den Griff zu bekommen: Zum einen wurden die Fäden mit verschieden geformten, unterschiedlich grossen Häkchen versehen und zum anderen wurden die „Plastikfäden“ durch resorbierbare (also selbst auflösende) Materialen aus unterschiedlichen Werkstoffen ersetzt.

Resorbierbare Fäden haben sich ja schon sehr lange in der Chirurgie bewährt, wobei es eigentlich logisch ist, dass mit dem Auflösen der Fäden auch der mechanische Halt verloren geht. Diesem Dilemma steht die Hypothese entgegen, dass jeder Fremdkörper im Organismus eine gewisse Neubildung von Bindegewebe, eine sogenannte „Kapselbildung“ auslöst. Einige Anwender der Fäden versprechen sogar eine deutliche Stimulation der Bindegewebe-Neubildung, welche an sich schon einen Verjüngungseffekt bewirken soll. Das neugebildete Bindegewebe soll sogar die mechanische Haltefunktion der aufgelösten Fäden ersetzen. Das ist aber weitgehend eine Hypothese, welche sich in der Praxis kaum zeigt oder auch noch nicht wissenschaftlich bewiesen wurde.

Nach dem aktuellen Kenntnisstand lässt sich der Wert der Fadenlifting-Methode noch nicht endgültig beurteilen. Es ist durchaus möglich, dass bei genauer Indikationsstellung, realistischer Einschätzung des zu erwartenden Ergebnisses und korrekter Durchführung ein sinnvoller Einsatz der Fadenliftings denkbar ist. Sicher ist aber, dass nur relativ junge Patienten mit einer sehr begrenzten Gesichtsalterung sich einen Erfolg versprechen dürfen und dass dieser dann auch nur maximal 6 bis 12 Monate anhalten wird. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies durch eine Weiterentwicklung der aktuellen Techniken in absehbarer Zukunft ändern wird.

Dr. Muggenthaler beim Fadenlifting-Workshop in Seoul

Die Ausführungen von Frau Dr. Greiner decken sich weitgehend mit meinen eigenen Erfahrungen. Vor allem mein Besuch in Südkorea vor einem Jahr (Foto) hat mir viele wertvolle Erkenntnisse zu diesem Thema verschafft. In Südkorea werden Fadenliftings schon seit einigen Jahren sehr häufig angewandt, wobei dort dann üblicherweise nicht nur etwa 2 bis 4 Fäden pro Gesichtsseite, wie bei uns üblich, eingesetzt werden, sondern 10 bis 20! Selbst dann wird den Patienten dann aber keine längere Haltbarkeit als ca. 6 bis maximal 12 Monate versprochen!


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